Gefährdung durch Alkoholmissbrauch

Von 13. Jan, 20:20 Uhr 40439 Aufrufe 440 Beiträge
15.03.2007, 09:36
krizzz schrieb:
(...) Auch die Jugendkriminalitaet wird immer schlimmer, was mich persoehnlich mehr stoert als 2 Jugendliche die sich ns Koma saufen.

Diese Einstellung ist bedenklich, denn sicherlich ist beides ein massives Problem, und - im Gegensatz zu p.k - finde ich nicht, dass die Berichterstattung zu dieser Thematik übersteigert ist. Für mich persönlich ist es nicht so sehr ausschlaggebend, wie hoch die Anzahl der "übertreibenden" Jugendlichen im Verhältnis zur Gesamtanzahl der Alkohol-konsumierenden Jugendlichen ist. Selbst wenn es so ist, dass insgesamt weniger Jugendliche regelmäßig trinken, bleibt doch die Tatsache, dass das Einstiegsalter für Alkohol (wie für viele andere gesundheitlich bedenkliche Stoffe auch) immer niedriger wird und die Exzesse immer drastischer. An der Schule meiner Tochter beispielsweise gab's ebenfalls Fälle von "Komasaufen" - die betreffenden Schüler*innen* wurden per Krankenwagen direkt aus der Schule zur Entgiftung ins Krankenhaus gefahren, die benachrichtigten Eltern waren vollkommen ahnungslos (und dies war in den letzten 2 - 3 Jahren beileibe kein Einzelfall, sondern ist mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder passiert). Eine sehr kritische Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf die Eltern, die so wenig bzw gar keine Ahnung vom Treiben ihrer Kiddies haben - - - Im Grunde genommen müsste man eher die Eltern viel zwingender in die Pflicht nehmen, statt Jugendliche mit weiteren Verboten und Gesetzen vom Alkoholkonsum abhalten zu wollen (was in aller Regel ja sowieso nix bringt). Letztlich ist es meistenteils das Vorleben der Erwachsenen (speziell im Elternhaus), dass die Jugendlichen den Umgang mit Alkohol lehrt: wenn sie es von zuhause aus gewohnt sind, dass zu jeder Gelegenheit Alkohol verfügbar ist und bereit gestellt wird und in gedankenloser Menge bis hin zum Rausch konsumiert wird, werden es die Jugendlicher vermutlich mit Alk genauso halten. Wenn sie aber von Anfang an gelernt haben, dass Alkohol in erster Linie ein wohlschmeckendes, moderat und nicht notwendigerweise täglich zu konsumierendes Genussmittel ist, so werden die Jugendlichen auch verantwortungsvoll damit umgehen - so wie sie es im Elternhaus erfahren haben. Die verharmlosende Einstellung von dem einen Gläschen für Jugendliche, das ja wohl nix schadet MUSS NICHT, KANN ABER bereits der Anfang vom Ende sein. Dieser Verantwortung sollten wir Erwachsene uns stets und immer bewusst sein …

LG, wink

15.03.2007, 10:36

Sehr guter, kritischer Beitrag, Ute_line. Das hast du richtig erkannt, die Verantwortung beginnt im Elternhaus. Die ganzen Verbote, die jetzt im Gespräch sind, wie Alkohol erst mit 18, ebenso das Rauchen, wird die jetzt schon gefährdeten Jugendlichen nicht von ihren gefährlichen Verhalten abhalten. Da ist schon eher das richtige Vorleben der Erwachsenen wichtig, sodass sich die Jugendlichen ein Beispiel daran nehmen können. Leider ist das auch kein Allheilmittel, ich bin auch abhängig geworden, obwohl in meinem Elternhaus nicht, beziehungsweise selten was getrunken wurde. Die Problematik geht also noch tiefer, das gute Beispiel geben alleine reicht nicht aus.hmm

Lenniwink

15.03.2007, 14:40

Dass es schlimm ist, wie sich das entwickelt will ich auch nicht bestreiten. Jedoch wird es wie so viel, in meinen Augen, viel zu viel dramatisiert. Dass jetzt jedes Komasaufen der Jugendlichen, in den Medien so breitgetreten wird, hat nur noch gefehlt.

Die Taeter schaden sich ja generell nur sich selbst. Selbstmoerder, toetliche Unfaelle ohne Fremdverschulden, Drogentote, etc. sind alles slche schlimmen Schicksale, die die Gesellschaft bisher nur zu gut ignoriert hat. Wieso sich jetzt genau einer darum kuemmert wieso sich XY mit X Tequila ins Koma gesoffen hat, verstehe ich nicht ganz.

Klar sind die Schuldigen unter den Eltern, dem Umfeld, der Gesellschaft zu suchen, doch das is doch auch sonst so oft der Fall.

Taeglich gibt es rassisstische Attacken, bei denen Unschuldige ernstahft zu schaden kommen, welche meistens unbestraft (und vor allem unbeachtet) bleiben. Ignoriert, schon fast akzeptiert.

Wieso die jetzt ausgerechnet mit dem Komasaufen kommen verstehe ich absolut nicht, wo es doch VIEL schlimmere Dinge gibt, die bisher auch verschwiegen wurden. Es vakauft sich besser, darum wohl.

15.03.2007, 15:10

Hi krizzz,

ich stimme Dir vollkommen zu! Da ist gerade mal wieder sonst nichts los, also stürzen die Medien auf ein Thema. Und alles wird immer schlimmer....

Ich habe mich neulich mit meinem Onkel unterhalten, der jetzt 96 wird. Er hat mir von seinem ersten Faß Bier (mit 14) und seinem erstem Vollrausch (mit 17) erzählt - und er hat zeitlebens zwar immer gerne seinen Most zum Abendessen getrunken, aber eben auch immer moderat (sonst wäre er ja auch kaum so alt geworden).

Wenn also was zu kritisieren ist, dann die Medienhype bzw. die Medienlandschaft allgemein, die ja über die ganzen schwachsinnigen Castings, Serien etc. etc. immer mehr Jugendlichen das Weltbild der realen Welt völlig verwischt und suggeriert, Model oder Musikstar oder wenigstens gutaussehend, jung und reich müsse jeder sein.

winkwink

15.03.2007, 15:52
p.k schrieb:
Hi krizzz, Ich habe mich neulich mit meinem Onkel unterhalten, der jetzt 96 wird. Er hat mir von seinem ersten Faß Bier (mit 14) und seinem erstem Vollrausch (mit 17) erzählt - und er hat zeitlebens zwar immer gerne seinen Most zum Abendessen getrunken, aber eben auch immer moderat (sonst wäre er ja auch kaum so alt geworden). winkwink

Das Beispiel musste ja kommen mit dem Onkel/Opa/Verwanndte der über 90 geworden ist und den x- beliebige Alkoholmengen nichts geschadet haben.wütendwütendwütendwütendwütendwütendwütend

@p.k, tut mir leid, aber solche Aussagen sind für alkoholgefährdete Personen eher kontraproduktiv. Natürlich gibt es immer wieder Personen, die auch größere Alkoholmengen vertragen, ohne dass es ihnen schadet oder dass sie gesundheitlichen Schaden erleden. Meines Erachtens, bleibt dieser Personenkreis aber die Ausnahme. Ich finde es sehr gefährlich immer wieder diese Beispiele zu zitieren, weil gefährdete Personen, dann denken, sie können ja weitersaufen. Es mag zwar sein, wie hier schon berichtet wurde, dass die Gesamtzahl der stark zechenden Jugendliche zurückgegangen sind, aber gerade die Zahl derer, die das sogenannte Komasaufen betreiben ist bedenklich gestiegen. Und das wird m. E. nicht von den Medien übertrieben dargestellt. Und gerade deswegen sollte man sich Gedanken machen, wie man dem entgegen wirken kann.hmm

winkLenni

15.03.2007, 16:01

Hi Lenni,

ich habe NICHT geschrieben, er hätte x-beliebige Mengen konsumiert, sondern von MODERATEN Mengen gesprochen. Bitte etwas sorgfältiger lesen. Danke.

winkwink

15.03.2007, 17:18

Sorry, dann habe ich deine Post wohl falsch interpretiert. Ich habe dass mit dem "Vollrausch mit 17" und "zeitlebens seinen Most zum Abendbrot getrunken" gelesen, nicht aber auf das Wort moderat geachtet. So ist es bei mir eben angekommen, dass der Alkohol ihm nicht geschadet hat und dein Onkel trotzdem alt geworden ist. In dieser Hinsicht habe ich wirklich nicht gründlich gelesen.-

Aber trotzdem bleibe ich bei meiner Aussage, es ist für alkoholgefährdete Personen gefährlich Aussagen zu hören, der und der ist trotzt Alkoholkonsum so und so alt geworden. Jetzt nicht auf deinen Onkel bezogen, sondern allgemein solche Beispiele bringen. Wenn so einge gefährdete Person, so eine Aussage hört, kann sie zu den Trugschluss kommen, ihr gefährliches Verhalten nicht zu änderen.

winkLenni

15.03.2007, 17:25

Nicht streiten Leute, wir wollen doch sachlich bleiben. fröhlich

Ich sehe das Problem auch nicht darin, daß mal ein paar Jugendliche Alkohol konsumiert haben. Das haben wir doch früher auch (fast) alle getan. Das Problem ist doch, daß es zunehmend Jugendliche gibt, die alkoholische Exzesse veranstalten. Ich bitte Euch, 50 Gläser Hochprozentigen, daß ist doch nicht normal. überrascht Medienhype hin oder her. Fakt ist, daß es Jugendliche mit unkontrolliertem Trinkverhalten gibt, egal wie viele, solange es noch einer ist, ist es immer noch einer zu viel.

Grüße wink

15.03.2007, 17:29

@Lenni, bei kontrollierten Alkoholkonsum treten mit Sicherheit keine Schäden auf und man erreicht eben auch ein entsprechendes Alter. Es wird ja auch nicht generell vor'm Alkohol trinken gewarnt, sondern vor'm Alkoholmißbrauch. Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Aber ich denke, daß ist uns allen klar. zwinker

Grüße wink

15.03.2007, 18:21

Hi Lenni,

war von mir auch nicht böse gemeint fröhlich

Aber ich versuche auch, nicht so sehr einzelfallbezogen zu argumentieren, versprochen!

@Stefan: natürlich hast Du recht, daß jeder einzelne Komasäufer einer zu viel ist - aber wo liegt der Sinn in eben jener reißerischen Berichtserstattung der 50 Tequila?

winkwink

15.03.2007, 18:26
SchuettelStefan schrieb:
Ich bitte Euch, 50 Gläser Hochprozentigen, daß ist doch nicht normal. überrascht

Klar is das nicht normal, es ist aber auchnicht normal bei vollem Bewustsein eine Bruecke runterzuspringen. Trotzdem intressiert das keinen, wenn es passiert.

Vor paar Jahren haben hier in Luxemburg 3 Schueler und ein Lehrer der gleichen Klasse inerhalb von 2 Wochen Selbstmord begangen. Die Medien hat das nicht beeindruckt.

Stattdessen weiss jetzt jederman dass XY 50 Tequilas geschafft hat. Worauf er durch den ganzen Trouble NOCH stolzer ist, und es noch mehr naive Nachahmer geben wird.

15.03.2007, 18:33

p.k schrieb:
...@Stefan: natürlich hast Du recht, daß jeder einzelne Komasäufer einer zu viel ist - aber wo liegt der Sinn in eben jener reißerischen Berichtserstattung der 50 Tequila?

winkwink

Das weiß ich leider nicht. verwirrt Aber ich finde es eben allgemein sehr erschreckend, daß Jugendliche keine anderen Ideen haben, was sie mit ihrer Freizeit anfangen können. Wie gesagt, ich war in meiner Jugend ganz bestimmt auch kein Heiliger, meine Freunde auch nicht. Aber diese Mengen hat keiner von uns konsumiert. Vielleicht dienen ja solche Nachrichten auch dazu einmal aufzurütteln. Bei mir sind sie da jedenfalls auf offene Ohren gestoßen. Mir ist durchaus bewußt, daß man das was die Medien von sich geben sehr differenziert sehen muß, aber ich denke mal zumindest werden sie nicht die Zahlen so grob verfäschen, daß da was ganz anderes rauskommt. verwirrt

Grüße wink

15.03.2007, 18:35

krizzz schrieb:
...Stattdessen weiss jetzt jederman dass XY 50 Tequilas geschafft hat. Worauf er durch den ganzen Trouble NOCH stolzer ist, und es noch mehr naive Nachahmer geben wird.
Da hast Du wohl leider Recht. Aber soll man denn immer wegschauen, wenn man merkt das da was völlig verkehrt läuft? Und nur weil anderweitig noch nicht hingeschaut wurde, ist das noch kein Grund irgendwann mal damit anzufangen, oder?

Grüße wink

15.03.2007, 18:55

Ich finde die Medien haben an vielen Dingen schuld, die hier passieren. Sie berichten von chaotischen Zuständen aus zB den USA und 3-4 Monate später macht es hier jemand nach, zB die Schulattentate. Es ist ja richtig das Medien über (fast) alles berichten sollen, aber meiner Meinung nach sind sie dabei oft verantwortungslos in der Art ihrer Berichterstattung. Man muss nicht immer Bilder von diesen grausamen Sachen zeigen um die Einschaltquoten zu verbessern. Da wird über die perversesten Grausamkeiten berichtet und meistens kommt direkt hinterher der passende Nachichtenfilm dazu, dass es auch jeder sieht und wenn dabei übertrieben wird, wen kümmert das, das Volk ist ja so blöde und lässt sich beinahe alles verkaufen. Wen weundert es da, dass es immer mehr Nachahmer gibt, die finden es dann noch cool in den Nachichten erwähnt zu werden. wink

15.03.2007, 19:02

el_muerte schrieb:
...Man muss nicht immer Bilder von diesen grausamen Sachen zeigen um die Einschaltquoten zu verbessern. Da wird über die perversesten Grausamkeiten berichtet...
Das stimmt heute morgen haben sie ein Saufgelage mit Sierra-Tequila öffentlich im TV gezeigt. zwinkergrins

Grüße wink

15.03.2007, 20:24

überraschtüberrascht

15.03.2007, 21:03

el_muerte schrieb:
überraschtüberrascht
Eben... verwirrt

Grüße wink

15.03.2007, 22:11

verwirrt Das hat aber auch wie die Faust aufs Auge gepasstgrins

29.03.2007, 17:49
SchuettelStefan schrieb:
Hi Achim & Lenni, ich habe heute in den Nachrichten gehört, daß es wieder mal 2 Jugendliche übertrieben haben mit dem Alkohol. Könntet ihr nicht eine Kolumne verfassen, die auf die Probleme von Alkoholmißbrauch unter Jugendlichen hinweist? Das müßte natürlich ganz was spezielles sein. Denn wenn man Jugendlichen nur mit dem erhobenen Zeigefinger kommt und sagt, daß dürft ihr nicht machen, dann hat ds nicht nur keine Wirkung, sondern löst vielleicht eher noch das Gegenteil aus. Ich hab jetzt auch erst mal keine Idee, wie man das anpacken könnte, aber vielleicht fällt Euch ja was ein? Wir haben hier bestimmt genug User unter 18. Grüße wink

Hierzu möchte ich gern was sinnvolles schreiben, allerdings ist meine Zeit momentan etwas knapp. 10-11 Std Arbeit, lange Fahrzeiten, Volkshochschule (Spanischkurs) usw. Aber ich habe mir schon Gedanken gemacht und diesbezüglich auch Kontakt mit nem Suchthelfer aufgenommen.

Der Jugendliche der im Koma lag ist tot. Nachzulesen [URLhttp://onnachrichten.t-online.de/c/10/68/93/46/10689346.html]hier[/URL]

Achim.wink

29.03.2007, 19:00

Danke für Deinen Hinweis, Achim - das ist in der Tat sehr erschütternd und aufrüttelnd ... JEDER Jugendliche, dem das widerfährt, ist ZUVIEL ... Ich bin sehr betroffen und kann nur sagen, dass ich froh und dankbar bin, dass unsere Kiddies (von extrem wenigen Ausnahmen abgesehen) eigentlich so gut wie KEINEN ALKOHOL konsumieren ...

Grüße, wink