In Polynesien nennen die Maori in ihrer Mythologie den ersten Vorfahren Tiki. Eine Mode entsteht. Die Sehnsucht nach Abenteuer, Urlaub unter Palmen in der Südsee, nicht zuletzt von Heimkehrern aus Kriegen, machten sich Ernest Gantt, bald darauf Victor Bergeron zunutze. Sie gestalteten ihre Bars pompös mit in Holz geschnitzten Götterfiguren, dicken Bambushalmen und anderen Details, die an Urlaub erinnern läßt.
Nichts wurde ausgelassen, um diesen Eindruck zu erreichen. Das Mobiliar, der Bartresen, ja selbst die Fassade des Hauses erhielten gestalterische Elemente der Südsee mit großen steinernen Götterfiguren zum Empfang. Palmen umsäumten Wasserfällen und Bächen. Dazu serviert wurden, in teilweise mit figural geschnitzten Bechern, oder Schalen und das macht den Traum vom Urlaub perfekt, starke, flammende Rumcocktails.
Damit nicht genug, die Cocktails wurden nicht nur serviert, man zelebrierte dieses Ereignis. Frauen erschienen auf der Bühne, knapp bekleidet in Baströcken und Blumenkränzen geschmückt mit einer brennenden Cocktailschale in beiden Händen tragend, boten diese knieend einem auserwählten Gast an. Das Ganze untermalt mit Lauten tropischer Vögel und exotischer Musik.
Eigentlich ist diese Tiki-Kultur, welche in den 30er Jahren des letzten Jahhunderts entstand, eine hollywoodreife Erfindung der Staaten, die ihre Blütezeit in den darauf folgenden 3 Jahrzehnten erleben durfte. Man liebte diesen Kitsch, doch wie immer im Leben, der Schein verblaßt. Spätestens mit dem Vietnamkrieg.
Es folgen Jahrzehnte der Ignoranz bis eine nachkommende Generation Cocktailbegeisterter diese Drinks neu entdeckt. Dieses Entdecken hält zum Glück bis heute an, sodass wir ebenso in den Genuß dieser köstlichen Rumcocktails kommen können. Vielleicht nicht mehr ganz so kitschig feil geboten, doch eventuell perfektionierter im Geschmack.
Obwohl, eigentlich gehören Tiki-Mug, so nennt man diese skulpturverzierten Becher, oder Schalen, aus denen man zu Mehreren mit Halmen genießt, mit Figuren, volumigen Früchten und so weiter dekorierten Gefäße schon wieder zum "guten Ton" eines Tiki-Drinks.
Ernest Beaumont Gantt, Texaner, bereiste in jungen Jahren den Südpazifik, liebte die Kulturen der Inseln und brachte sich diverse Souvenirs mit, welche er später in LA an Filmstudios verlieh. Er entdeckte, dass er nicht allein diese Gegenstände aus fremden Ländern schätzte und witterte ein noch größeres Geschäft.
Ernest stattete ein leerstehendes Gebäude mit seiner Sammlung an Fischernetzen, Figuren, Korbmöbeln, Bambusrohren, Haifischzähnen etc. aus, und eröffnete 1933 das Don the Beachcomber. Serviert wurden hier so genannte polynesische Gerichte und rumlastige Cocktails. Es kamen Persönlichkeiten wie Ava Gardner, Fred Astaire, Charles Chaplin und viele andere. Sie liebten seine Cocktails und machten das Lokal berühmt. Don the Beachcomber, wie ihn alle nannten, erfand und perfektionierte diesen so beliebten Kult. Ließ sogar seinen Namen in Donn Beach darauf ändern. Eine ganze Kette mit "Don the Beachcomber"-Lokalitäten entstand in den Staaten.
Erfolg zieht Nachahmer an. Victor Bergeron folgte ihm 1936 in Oakland auf dem Fuße. Er gründete das Restaurant Trader Vic mit ebenso angeblich polynesischen Gerichten und rumlastigen Drinks, welche ein Papier-Schirmchen trugen, dessen Sinn sich jedem entzog. Die Gäste liebten genau so seine wie auch Don's Gerichte und Cocktails. Vic expandierte darauf sein Geschäft zur Restaurantkette.
Es kam, wie es kommen musste, irgendwann behauptete jeder der Beiden den Mai Tai erfunden zu haben. Jeder hat ein im Geschmack ähnliches Rezept mit dunklem Rum, Zitrussaft, Triple Sec, Orgeat, oder Falernum und Minze kreiert. Ein Rechtsstreit sollte klären, doch sie einigten sich später außerhalb der Gerichte. Der Erfolg beider Kontrahenten endete vorerst schnell mit beginnendem zweiten Weltkrieg.
Es flammt wieder auf, nicht nur der Cocktail, oder das Interesse, auch die Begeisterung für das Fremde mit Strand, Palmen und alles was dazugehört. Weitere Restaurantketten mit Elementen der Südsee zogen durchs Land und das Kind bekam nun seinen Namen "Tiki". Tiki-Restaurant, Tiki-Speisen, Tiki-Getränke. Die halbe Welt im Tiki-Rausch. Tiki, der erste Mensch in der Mythologie der Maori, als Popkultur. Holzpaddel, Ukulelen, farbige Tücher, jeder wollte Teil dieser Tiki-Kultur sein und schmückte seine Wohnung mit solchen Elementen.
Während überall Gaststätten á la Don aus dem Boden sprießten, zog es ihn in den 50ern nach Hawaii. Eine neue Bar mit Südseeflair gründete Donn in Waikiki und die Exotik erlangte einen noch höheren Stellenwert, bis, ja, bis siehe oben.
Geblieben sind uns von dieser "Kultur" so wundervolle Cocktails mit fremd klingenden Namen wie Too Too, Nui Nui, oder Mai Tai. Es war eine Zeit des Aufbruchs, der Erneuerung mit der ewigen Sehnsucht nach der Fremde, die wohl jedem Menschen eigen.
| Quellen: Wiki | Quellen: Forum / Rezepte |
|---|---|
| Quelle: Wiki Gläser - Form folgt der Funktion | Quelle: Forum Tipps für den Barneuling Tiki-Mug |
| Quelle: Wiki Legendäre Barmixer | Quelle: Forum Tipps für den Barneuling Rum |
| Quelle: Wiki Rum - Das karibische Lebenswasser | Quelle: Forum LEXIKON Tiki-Ära |
| Quelle: Wiki Dekoration - Das i-Tüpfelchen | Quelle: Rezepte Too Too |
| Quelle: Wiki Dunkler Rum | Quelle: Rezepte Nui Nui |
| Quelle: Wiki Orangen - Triade | Quelle: Rezepte Mai Tai |
| Quelle: Wiki Zitrusfrüchtchen - Säure richtig eingesetzt | |
| Quelle: Wiki Sirup - frisch gekauft | |
| Quelle: Wiki Kräuter und Botanicals | |
| Quelle: Wiki Trinkkulturen - Spezialitäten | |
| Quelle: Wiki Falernum - Rumlikör und Würzrum auf karibische Art | |
| Quelle: Wiki Equipment - barpeoples toy |